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| 22.01.03 |
Diskussionsrunde: Naturschutz
durch Nutzung
(von links nach rechts: Schumacher, Heiderich, Fröhling, Badura, Hockenberger, Krug) Erfolge dank "Vertragsnaturschutz" Die Landwirtschaft wurde geradezu in die Rolle der Naturausbeutung gedrängt. Dies sei laut Schumacher die logische Folge einer "gesellschaftlich gewollten Intensivierung". Nach einem Umdenken gäbe es aber regional recht gute Erfolge, was den Naturschutz betrifft. Hockerberger führte dies weiter aus und erläutert die Vorteile des "Vertragsnaturschutzes", der seit den 80er Jahren als Projekt gegen Erosionen begann und mit 150 Mio. Euro im Rahmen des EU-Projektes "MEKA" gefördert werde. Naturschutz fängt auf dem Acker an Ganz konkret wird Heiderich: "Der Landwirt muss sich Naturschutz leisten können", während Fröhling behauptet, dass der Landwirt schon von sich aus auf Naturschutz achte. Schließlich sei der Boden das wichtigste Betriebsmittel, Naturschutz fange deshalb auf dem Acker an. Es werde so wenig wie möglich, jedoch so viel wie nötig eingegriffen, beispielsweise beim Verteilen von Pestiziden und Insektiziden. Es werde nicht mehr in großen Mengen "prophylaktisch gespritzt". Ist für den heutigen Landwirt Naturschutz kein Fremdwort mehr? Der Glaube an den "guten Menschen im Bauern" - weiß er denn überhaupt, wie viel nötig ist? Sind die Landwirte in dieser Richtung geschult? Heiderich behauptet: Ja. Der Bauer kann sogar per SMS Nachrichten erhalten, beispielsweise über Wetterbedingungen oder agrarrelevante Entwicklungen. Eine verstärkte Aufklärungsbringschuld der Verbände und Ausbildungsstätten sieht er nicht, denn schließlich informiere die Industrie ausreichend und ausführlich. Ob die Firmen allerdings Wert darauf legen, dass Ihre Produkte möglichst wenig verwendet werden? Fröhling lobt den guten Sachstand unter den Bauern: "die Landwirte haben dazugelernt" und die Ausbildung junger Landwirte sei exzellent. Nachhaltigkeit Das Stichwort "Nachhaltigkeit" sei laut Fröhling gerade in diesem Berufsstand ein wichtiger Eckpfeiler der Lebensgrundlage. Schumacher stimmt dem zu, solange es um die Bewertung des Bodens geht. Was aber ist mit Nachhaltigkeit in Bezug auf Wasser, Atmosphäre, Klimaschutz? Die viel zu hohen Stickstoffwerte sprechen leider eine eindeutige Sprache. Solange wir in Deutschland dermaßen lasch mit diesem Problem umgehen, können wir schlecht von Drittländern erwarten, die tropischen Urwälder besser zu schützen. Ökologie nur durch ökonomische Anreize? Fröhling bringt verstärkt die Ökonomie in die Diskussion und auch Hockenberger betont, dass die Bereitschaft zu Naturschutz vorhanden sei - bei entsprechenden ökonomischen Anreizen; die Politik sei hier gefordert. Frau Badura, die ihre Rolle als Moderatorin hervorragend gemeistert hat, musste mehrmals die Redner zu mehr Fragestellungs-Nähe disziplinieren. Bei den beiden Diskussions-Schwerpunkten jedoch (Artenvielfalt und Zukunftsvisionen) konnte sich keiner der Redner so deutlich zu einem Statement durchringen. Naturschutz durch Nutzung? Krug erwähnt, dass etwa die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten in Deutschland "Rote-Liste-Kandidaten" seien, lobt allerdings andererseits, dass es noch einige Arten gibt - dank der Landwirtschaft. Quantifizierbar seien die Aussagen über Ausrottung oder Gefährdung der Arten durch Landwirtschaft nicht. Viel Verständnis hat Krug für eventuelle Missstände, denn Deutschland ist keine Insel - die Landwirte werden von äußeren nationalen und internationalen Zwängen zur Intensivierung gezwungen. Dennoch möchte er den Landwirten ans Herz legen, dass auch verschiedene Tier- und Pflanzenarten der Landwirtschaft nutzen können. Klar sei jedoch - und da sind sich alle einig - , dass "Naturschutz durch Nutzung" nur gemeinsam mit Landwirten UND Naturschützern funktioniere. Visionen - Zukunft der Agrarpolitik nach Fischlers Vorschlägen Wie die Modulation der EU-Vorschläge aussehe, konnte niemand beantworten. Geplant sei, dass ca. 2 % des Einkommens der Bauern einbehalten wird, um es umzuverteilen. Nach welchen Kriterien die Umverteilung vorgenommen wird und ob die Verwaltung dieses Fonds mehr Kostenaufwand bedeutet, als zum Umverteilen zur Verfügung stehen wird, sei noch nicht klar. Schumacher sieht die Fischler-Vorschläge aus Brüssel allerdings nicht positiv, besonders für viele kleinere Nebenerwerbsbetriebe im Mittelgebirge seien die geplanten Änderungen gravierend. Was kann der Verbraucher tun? Schumacher fordert, dass ein Umdenken stattfindet. Anstatt Unsummen in Kultur zu investieren, müsste ein Teil, beispielsweise 10 %, das wären immerhin 1,5 Milliarden Euro, für Naturschutz ausgegeben werden. Der verschobene Werte-Maßstab sei eine Frage der politischen Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung. Die Leute müssen mehr Geld für gute landwirtschaftliche Produkte ausgeben. Auch wenn, so Heiderich, nicht alles über den Preis steuerbar ist, so müssen die Menschen doch den hohen Wert der Agrarprodukte finanziell anerkennen. Fazit Die Bauern können nicht anders, wenn Sie keine finanzielle Unterstützung bekommen. Die Politik kann nicht anders, weil es an Geld fehlt, sagt jedoch zu, dass die bisherigen "Vertragsnaturschutz-Flächen" weiterhin zu den Konditionen genutzt werden können wie bisher. Der Verbraucher kann nicht helfend eingreifen, denn über Preispolitik sei dieses Problem nicht steuerbar. Er müsse allerdings den hohen Wert der deutschen Agrarprodukte auch finanziell honorieren. Die Vorschläge aus Brüssel seien nicht tauglich, aber eigene neue Ideen scheint es auch nicht zu geben. Um den allgemeinen Harmonisierungsprozess nicht zu stören, könnte ich einfach sagen: Na wunderbar, alle sind sich einig. Ich schüttele nur den Kopf und zitiere: "Da steh ich nun, ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor". Viola Kaesmacher
Weiterführende Informationen
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| Quelle: | Grüne Woche 2003 |
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