| 20.04.04 |
Weltweites
Millionengeschäft auf dem Rücken der Tiere

Puerto
de la Cruz de Tenerife: Bei der Verleihung eines Preises, den der
Loro–Parque dieses Jahr dem spanischen Reiseveranstalter Iberojet
verlieh, plauderte Inhaber Wolfgang Kiessling vor der geladenen
Inselprominenz auch über seine Expansionspläne.
So
verriet er, dass sein Siam Park im Süden der Insel im Jahr
2006 eröffnet werde und Urlaubern extremes Abenteuer und Adrenalinschocks
liefern solle, wie z.B. eine Fahrt mit der Kamikazebahn direkt in
ein Haibecken hinein. Geschockt sein werden wahrscheinlich
nicht nur die Feriengäste sondern insbesondere auch die armen Haifische,
die diese Tortour dann gleich mehrmals täglich über sich ergehen
lassen müssen.
Außerdem
soll im Norden eine Killerwalarena entstehen. Die Orkas sollen
vom befreundeten Sea World-Besitzer Adolfe Anheuser-Busch geliefert
werden. Vier
der majestätischen Tiere sollen auf Teneriffa ein trostloses
Dasein zwischen kahlen Betonwänden fristen und jeden Tag vor
tausenden von zahlenden Besuchern lächerliche Dressurtricks
vorführen müssen.

Kommerz
geht über alles?
Wie
es den hochsensiblen, intelligenten Tieren in Gefangenschaft ergeht
schilderte dem TCM eindrucksvoll der Bericht der anerkannten und
international operierenden WCDS (Whale and Dolphin Conservation
Society), die sich darum kümmern will, dass Kiesslings Walarena
auf Teneriffa keine traurige Wirklichkeit wird.
| Die
Position der Whale and Dolphin Conservation Society zur Haltung
von Meeressäugern in Gefangenschaft:
-
Die
Gesellschaft fordert neben der Schließung sämtlicher
Delfinarien und Ozeanarien, in denen Wale und Delfine
gehalten werden, auch deren Auswilderung in ihren natürlichen
Lebensraum
-
Die WDCS kämpfte unter anderem engagiert für
die erfolgreiche Freilassung des Orkas „Keiko“,
bekannter unter dem Namen Willy aus dem Kinohit „Free
Willy“
-
Außerdem
fordert sie dazu auf, solche Einrichtungen nicht zu besuchen
|
Orcas,
fälschlicherweise oft als Killerwale bezeichnet, werden seit
37 Jahren in Gefangenschaft gehalten. Dutzende Orcas wurden, herausgerissen
aus ihrem sozialen Verband, Opfer einer rein kommerziell orientierten
Industrie.
Die künstlich zusammengesetzten Gruppen und kahlen Wände
spiegeln nichts vom einstigen Leben in freier Wildbahn wider.
Die
Traurigkeit bemerken Besucher nicht
Nicht
informiert über die Hintergründe strömen Millionen
Besucher jährlich in Delfinarien und Ozeanarien, um sich an
Shows mit Orcas zu erfreuen. Simple PR-Slogans sollen das Gezeigte
als einzigartige Unterhaltung attraktiv machen. Bekannte Pop- und
Rocksongs führen durch die durchgestylte Show. Das Gezeigte
wird als „natürliches Verhalten“ bezeichnet und
soll eventuell aufkommende kritische Stimmen im Keim ersticken.
Nur
wenigen Besuchern fällt die Tristesse der Showstars auf. Geknickte
Rückenflossen sämtlicher männlicher Orcas und das
ununterbrochene Schwimmen im Kreis tagein tagaus wird von den Besuchern
nur selten wahrgenommen. Die PR-Maschine zieht und das Geschäft
mit den hoch entwickelten Säugern geht weiter.
Gute
Gründe für die Gefangenschaft gibt es nicht und die „Fantasiewelt“
scheint langsam zu zerbrechen:
-
Immer
mehr Wissen und fundierte Studien bekannter Wissenschaftler
über die sensiblen Tiere macht es der Industrie zunehmend
schwerer, das Produkt „Orcas in Gefangenschaft geht es
gut“ zu verkaufen.
-
Außerdem
führt zunehmende Aufklärung der Öffentlichkeit
zu einer verstärkten Hinterfragung der Thematik
-
Einige
Vergnügungsparks haben die Haltung von Orcas eingestellt
und Besucherzahlen sind vielerorts rückläufig
| Weltweit
wurden seit 1961 mindestens 135 Orcas für Delfinarien
gefangen
-
Davon
sind bereits 112 Tiere (82%) tot
-
Ein
männliches Tier entkam nach 2 Jahren und 3 Monate;
sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt
-
Die
meisten in Gefangenschaft gehaltenen Tiere sterben, bevor
sie das 20. Lebensjahr erreichen
-
Im Durchschnitt überleben sie sechs Jahre
-
In freier Wildbahn können weibliche Tiere bis zu 80 Jahre
und länger leben
|
Entgegen
der Angaben von Delfinarienbetreibern kann von einer "erfolgreichen
Zucht" dieser Tiere keine Rede sein. Von den 63 seit 1968 bekannten
Schwangerschaften weiblicher Orcas haben nur 26 Kälber (41%)
überlebt. So müssen, um den Bestand der in Gefangenschaft
lebender Orcas aufrecht zu erhalten, weitere Tiere der freien Wildbahn
entnommen werden.
Quelle:
Edda Schubert, Redaktion Teneriffa/Canaria Magazin
| Haltung
von Walen und Delfinen
in Gefangenschaft
Die
Position der Whale and Dolphin Conservation Society zur Haltung
von Meeressäugern in Gefangenschaft:
-
Es
ist unser Ziel, Wale und Delfine umfassend zu schützen
und sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewahren
-
Der
Schutz umfasst sowohl das einzelne Individuum als auch
Arten
-
Wir
sind der Überzeugung, dass es Tierquälerei ist,
derart hoch entwickelte, soziale Tiere, die enorm weite
Strecken ziehen, auf engem Raum einzusperren
-
Die Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft erfüllt
keinen wissenschaftlichen, erzieherischen und Tier- oder
Artenschutzaspekt
-
Haltung von Walen und Delfinen ist somit nicht im Sinne
des Wal- und Delfinschutzes
|
Derzeit
werden tausende Wale und Delfine in Gefangenschaft gehalten und
zur Schau gestellt. Tierschützer sind der Überzeugung,
dass Shows und die Zurschaustellung weder Respekt gegenüber
diesen faszinierenden Tieren vermitteln noch zum Verständnis
dieser Tiere beitragen. Es wird vielmehr die Dominanz des Menschen
gegenüber den betreffenden Individuen demonstriert.
| Corkys
Lebenslauf
Corky
ist der am längsten in Gefangenschaft lebende Orka
In
freier Wildbahn
-
Sie
wird etwa 1965 geboren
-
Sie
lebt bis 1969 bei ihrer Familie in freier Wildbahn
-
Am 11.12.1969 wird sie, erst vier Jahre jung, gefangen
und der Familie entrissen
Station
"Marineland
of the Pacific", Kalifornien
-
Zwischen
1969 bis 1987 verbringt Corky dort
-
Drei
ihrer vier Leidensgenossen sterben innerhalb der ersten
drei Jahre Gefangenschaft
-
Am
28.2.1977 kommt Corkys erstes Baby auf die Welt. Es ist
gleichzeitig die erste Lebendgeburt eines Orcas in Gefangenschaft
-
Das
Baby stirbt nach 16 Tagen
-
Zwischen
1977 und 1987 wird Corky siebenmal trächtig. Keines
der Babys überlebt länger als 46 Tage.
Station
"Sea World", San Diego, Kalifornien
-
1987
wird Corky nach Sea World - San Diego überstellt
-
Am
21.8.1989 wird Corky von Kandu, einem weiblichen Orca,
während einer Show gerammt. Kandu verletzt sich selbst
dabei schwer und verblutet vor den Augen der Besucher
-
Im
Juli 1993 werden Corky die Stimmen ihrer Familie vorgespielt,
die in den Gewässern vor Britisch Kolumbien, Kanada,
aufgenommen wurden
-
Corkys
Reaktion ist dramatisch. Sie beginnt am ganzen Körper
zu zittern, wie es noch nie zuvor bei dieser Tierart gesehen
wurde. Ein Indiz, dass sie die Stimmen ihrer Familie erkannt
hat?
-
Im
Mai 1996 eröffnet in Sea World, San Diego, das erste
"Petting Pool" für Orcas. Besucher haben
täglich die Möglichkeit, Orcas, darunter auch
Corky, zu betatschen, ohne dass sich die Tiere zurückziehen
können.
35
Jahre in Gefangenschaft sind wirklich genug!
Momentan
bemühen sich Wissenschaftler die Verantwortlichen bei
Sea World davon zu überzeugen, Corky auszuwildern, damit
sie ihr verbleibendes Leben im Kreise ihrer Familie verbringen
kann. |
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