| Bis
zur Zeit von Costillares, gegen Ende des 18. Jh. stößt
man kaum auf Namen bekannter Stierkämpfer zu Fuß. Dies
ist sowohl in den verschiedenen Regionen Spaniensals auch in Andalusien
der Fall.
Die
Stierkämpfermannschaften konnten - außer in Ausnahmefällen
- nicht weit von einander entfernte Orte aufsuchen. Der professionelle
Stierkampf zu Fuß steckte in Andalusien in den Kinderschuhen.
Das Umherziehen der Trupps war wegen der Kosten, die im Vergleich
zum geringen Verdienst übermäßig hoch waren, nicht
möglich.
Aus
diesem Grund waren populäre Stierkämpfer in Madrid, und
auch im Norden Andalusiens unbekannt. Wenn sie bekannt waren, dann
nur aufgrund ihres Ruhmes in Sevilla und Ronda. So war beispielsweise
der Gründer der berühmten Dynastie Romero außerhalb
Rondas gänzlich unbekannt.
Romero
Der
berühmte Vertreter dieser Familie, Francisco Romero, wird in
der Geschichte des Stierkampfes meist als der Erfinder der muleta
(Rotes Tuch) genannt. Dieses Instrument sollte eine stufenweise
Entwicklung erfahren und zur Vollendung gelangen. Francisco Romero
benutzte dieses ursprünglich weiße, an einem Stock hängende
Tuch, um den Stier von Angesicht zu Angesicht zu töten.
Das
Tuch
Die
rote muleta, die heutzutage verwendet wird, tauchte erstmals 1804,
anlässlich der zweiten Auflage der „Tauromaquia“
auf. Diese Überarbeitung eines Stierkampfbegeisterten bietet
nicht nur sachliche Informationen über die Ausstattung der
Akteure und die Stellungen und Figuren des Kampfes, sondern versucht
auch, auf den "ästhetischen Genuss" der Corrida hinzuweisen.
Tauromaquia
Die
erste Auflage der „Tauromaquia“ stammt vom bekannten
Stierkämpfer José Delgado Guerra (1754-1801), genannt
Pepe-Hillo. In dieser Schrift von 1796 warb er für eine damals
neue Form des Stierlaufs, die sich schließlich durchsetzte
und noch heute als „fiesta nacional“ begangen wird.
Fiesta
nacional
Sie löste drei ältere Formen des Stierfestes ab
-
den mit der Lanze vom hohen Ross aus geführten Stierkampf
der Adeligen, der ihre Macht über die wilde Natur darstellen
sollte
-
den regellosen Stierlauf in den Dörfern, der die "Verbundenheit"
der Bauern mit ihrem Vieh zum Ausdruck brachte
-
und das Stierschlachtfest, das professionelle Schlächter
(Matadore) der städtischen Schlachthöfe zusammen mit
der Plebs der nächstgelegenen Vorstadtquartiere begingen
Pepe-Hillo
Die
von Pepe-Hillo und anderen propagierte disziplinierte "Kunst"
des Matadors und seiner Gehilfen sowie die Wandlung der Volksmenge
vom Akteur zum Betrachter des dramatischen Geschehens markieren
den Abschied von der gefährlichen Unordnung früherer Stierfeste.
Juan Romero
Juan
Romero, dem Sohn Francisco Romeros, ist eine weitreichende Reform
bei der Stierkämpfermannschaft zu "verdanken", die
bewirkte, dass der Kampf von nun an mit Strategie und Taktik geführt
wurde.
Die
Entwicklung des Stierkampfes war in jene Phase getreten, in der
die Gehilfen dem Matador unterstanden und seinen Anordnungen Folge
zu leisten hatten.
Die
Zuschauer wurden sich bewusst, dass der Kampf geordneter und nicht
mehr anarchisch verlief. Juan Romero war der erste Hauptfechter,
der unter diesen Bedingungen auf der Plaza de Mayor in Madrid kämpfte.
Pedro
Romero
Francisco
Romeros Enkel, Pedro Romero wurde ebenfalls berühmt. Man sagt
ihm nach, 5.000 Stiere getötet zu haben und bereits mit 15
Jahren, aber auch noch als 80-jähriger in der Arena gestanden
zu haben. Er trug ebenfalls wesentlich dazu bei, dass der klassische
Stil der Schule von Ronda berühmt wurde.
Joaquin
Rodriguez alias Costillares
Im
Verlauf des Jahrhunderts sollte die Technik des Stierkampfes von
einem anderen Stierkämpfer derart revolutioniert werden, dass
sie bis zum heutigen Tag nichts an ihrer Gültigkeit verloren
hat. Dieser Stierkämpfer war Joaquin Rodriguez, besser bekannt
als Costillares.
Seine
Erfindung, die man als volapié bezeichnet, bedeutet, dass
die muleta zum Bezwingen des Stiers und zum Angriff dient und von
nun an kein Instrument der Verteidigung mehr sein sollte. Diese
Erneuerung ließ der Rivale von Costillares, Pepe-Hillo, in
sein Werk „Tauromaquia“ einfließen. Eine
weitere technische Innovation, die aus dem 18. Jh. stammt, ist die
cuarteo. Dabei wird eine ausweichende Bewegung vollführt, um
beim Platzieren der banderillas nicht in die Hörner zu laufen.
Abschließend
kann gesagt werden, dass das 18. Jh. zu einer Vereinheitlichung
des Stierkampfes auf der gesamten iberischen Halbinsel führte.
|