Tierquälerei als Belustigung. Quelle: Anti-CorridaProteste gegen Rodeo in Köln, Juli 2006

Leider hatten sich Tierschützer und Tierrechtler zu früh gefreut, dass das Langzeitgutachten über Rodeo endlich auch Konsequenzen haben wird (siehe unten Verbot einiger Disziplinen sowie Flankengurt und Sporen). Denn offensichtlich kann sich die Rodeo-Lobby problemlos über solche Verbote hinwegsetzen. War kurze Zeit auf der Webseite des Veranstalters noch zu lesen: "AKTUELL: Liebe Rodeofreunde! Aufgrund neuer gesetzlicher Auflagen sind wir leider gezwungen einige Änderungen im vorgesehenen Rodeoprogramm vorzunehmen. Das Rodeo findet aber auf jeden Fall statt!" Ist der Hinweis nun weg und in einem Artikel der Kölner Lokalpresse lässt stark vermuten, dass die fraglichen Disziplinen stattfinden. (Kölnische Rundschau, 30.07.06: "Rodeo wird komplett stattfinden"). Erst am Freitagnachmittag habe das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dem Einspruch von Organisator Dieter Brand stattzugeben.

Tierschutz - Rodeoveranstaltungen

Brief des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, ging am 27.06.2006 an die Bezirksregierungen Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster

"Die Länder haben in ihrer letzten Sitzung der Arbeitsgruppe Tierschutz der LAGV am 08./09.06.2006 auf der Grundlage des TVT-Gutachtens zu Rodeoveranstaltungen vom 25.04.2006 und der diesem Schreiben beigefügten Anlage zum Gutachten vom 22.05.2006 beschlossen, bei künftigen Rodeoveranstaltungen die tierschutzrelevanten Disziplinen "Wild-Horse-Race" und "Bullenreiten" sowie den Einsatz von Flankengurt und Sporen bei den Disziplinen "Bare Back Riding" und "Saddle Bronc Riding" zu verbieten, um einen bundeseinheitlichen Verwaltungsvollzug sicherzustellen.

Ich bitte Sie daher in Ergänzung meines Erlasses vom 12.09.2005, ab sofort bei der Erteilung der Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 3d des Tierschutzgesetzes die genannten Disziplinen zu verbieten bzw. bei bereits erteilten Erlaubnissen entsprechende Änderungen herbeizuführen.

Ferner bitte ich Sie, die Disziplinen "Steer-Wrestling" (Ringen mit dem Stier), "Calfroping" (Kälberfangen), "Tripping" (Zu-Fall-Bringen) und "Wild Cow Milking" (Mutterkuh-Zwangsmelken) unter Tierschutz-Gesichtspunkten zu beobachten und mir über Ihre Erkenntnisse zu berichten. Insbesondere hinsichtlich "Calf-Roping", bei dem Kälber mit dem Lasso gefangen, anschließend zu Fall gebracht und an drei Beinen gefesselt werden, gibt es Anhaltspunkte, dass es sich um eine Rodeo-Disziplin handelt, die unter Tierschutzgesichtspunkten kritisch zu bewerten ist.

Im Auftrag gez. Dr. Bottermann"

Protest gegen Rodeo in Köln-Weidenpesch

Am 29.07 06 und 30.07.06 sollen auf der Galopprennbahn in Köln Weidenpesch an beiden Tagen Rodeoveranstaltungen durchgeführt werden.

Nach Angaben des Veranstalters (www.koeln-rodeo.de) sind bei diesen Rodeos u.a. folgende Disziplinen geplant: Ironbull-Wettbewerb (Bullenreiten), Wild Horse Racing (Wildpferde einfangen) und Calf Roping (Baby-Kälber werden mit dem Lasso zu Fall gebracht und an drei Beinen gefesselt).

Sowohl das Bullenreiten, wie das Wild Horse Race und die Verwendung von Sporen und Flankengurten werden von der Stadt Köln und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als tierschutzwidrig eingestuft und dem Veranstalter sollen entsprechende Auflagen gemacht werden. Auch in anderen Bundesländern wurde per Gerichtsbeschluss bereits mehrfach der Einsatz der Sporen, die den Pferden in den Schulter- und Nackenbereich getreten werden, untersagt (das nennt man im Cowboy-Jargon "marks"). Sollte das Calf Roping statt finden, hat der Rodeoveranstalter mit einer Strafanzeige zu rechnen.

In der Vergangenheit zog das Rodeounternehmen bereits mehrfach wegen der Auflagen der Veterinärämter vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Regensburg kam im September 2005 zu dem Ergebnis, dass der Einsatz der Sporen bei Rodeoveranstaltungen mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar ist, da den Tieren durch den Einsatz von Sporen bei den Rodeo-Disziplinen ohne einen vernünftigen Grund Schmerzen zugefügt werden, was gegen § 1 Satz 2 TierSchG verstößt. (Az. RN 11 S 05.1317 vom 22.09.05). Auch im Mai 2006 wurde das Verbot der Sporen bei den Pferden vom Verwaltungsgericht Dresden bestätigt

Auch aus der Pressemitteilung des saarländischen Umweltministeriums vom 16.06.05 ist zu entnehmen: "Zur Belustigung der Zuschauer und Teilnehmer werden die Tiere durch Gewaltanwendung und körperlichen Zwang nicht nur zu gewissen Verhaltensreaktionen gedrängt, sondern auch regelrecht körperlich gequält."

Trotzdem versucht der Veranstalter die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass seine Rodeoveranstaltungen nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Als "Beweis" für seine tierfreundliche Einstellung führt er an, dass der Erlös aus der Tombola dem Kölner Pferdeschutzhof zugute kommen soll. Durch das Mäntelchen der Mildtätigkeit wird aber die Tierquälerei keineswegs legitimiert.

Ein weiteres Indiz dafür, dass der Rodeoveranstalter nicht gar so tierfreundlich eingestellt sein kann, ist die Tatsache, dass das Veterinäramt in Meißen ihm die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz entzogen hat. Gegen die Entziehung hat der Veranstalter zwar Widerspruch eingelegt, so dass die Entziehung noch nicht rechtskräftig ist, doch läßt dies den Schluß zu, dass es mit dem behaupteten tierfreundlichen Umgang nicht sehr weit her sein kann.

Mechthild Mench, Pressesprecherin von INITIATIVE ANTI-CORRIDA und stellv. Vorsitzende von animal 2ooo - Menschen für Tierrechte Bayern e.V.: "Wir wollen kein "sanfteres" Rodeo, sondern überhaupt kein Rodeo. Rodeo ist weder offiziell anerkannter Sport, noch hat es Tradition in Europa. Zuschauer sollten solche Veranstaltungen unbedingt durch Fernbleiben boykottieren."

Dem Protest schließen sich folgende Tierschutz- und -rechtsvereine und Privatpersonen an (in alphabetischer Reihenfolge):

* Anika Auweiler, Musikerin
* Animal 2000 - Menschen für Tierrechte Bayern eV
* AnimalProtectionGroup Arbeitsgruppe für Tierrechte e.V.
* Bodenstein, Monika, Journalistin; IFT- Internetzwerk für Tiere
* Prof. Dr. Uwe A.O.Heinlein, Biologe und Schriftsteller
* INITIATIVE ANTI-CORRIDA
* Kaesmacher, Viola, www.antistierkampf.de
* Kleb, Henning, Animals Angels e.V.
* Kleb, Rita, Vier Pfoten e.V
* Kowalzick, Regina, Schüler für Tiere e.V.
* Mathar, Mirjam, Künstlerin
* Millhome, Tommy, Journalist; PAKT e.V.
* Ost, Dagmar, Menschen für Tierrechte Stuttgart e.V.
* Peter, Günther, Träger des Bundesverdienstkreuzes
* Piepenbring, Sabine, Diplom-Sozialarbeiterin
* Retterbush, Stefanie, literarische Übersetzungen
* Röder, Bettina, TARN - Tierrechtsaktion Rhein-Neckar
* Stitz, Ilka, Autorin; Theresa Krause, Künstlerin
* Suchanek, Astrid, Tierschutzpartei
* Tierrechtsinitiative Köln
* TierrechtsInitiative Rhein-Main e.V.
* TVG Pulheim Menschen für Tierrechte e.V
* TVG Saar Menschen für Tierrechte e.V.
* Walter, Ralf, Journalist
* Zähringer, Rosemarie, Tif - Tierrechtsinitiative Freiburg e.V.

(Pressemitteilung vom 12.07.2006. Verantwortlich: Christina Kremer, www.fueralletiere.de)


 

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