| "Affengeil
- so ein Zirkusleben"

Auf
dem ehemaligen Deponiegelände einer mittelgroßen
Stadt im Rhein/Main-Gebiet. Städtische Reinigungskolonnen
haben hier Berge von schmutzigem Schneematsch aufgetürmt.
Hinter dem künstlichen Gebirge verborgen stehen mehrere
Wohn- und Möbelwagen ohne Ordnung. Vor den Wagen türmen
sich leere Bierdosen, Plastiktüten und anderer Müll.
In den Wohnwagen bullern die Öfen, sodass der Schnee
rundherum geschmolzen ist. Nur vor den Möbeltransportern
befinden sich noch dichte Schneewehen.
Beim
Näher kommen kreischt und bellt es aus einem dieser Wagen,
vor dem zwei verbeulte Kochtöpfe mit gefrorenen Kochkartoffeln
stehen. Durch einen Schlitz in der Lade, im Dunkeln kaum auszumachen,
erkennt man einen kleinen schwarzen Hund hinter Käfiggittern,
auf der andere Seite, durch eine weitere Gitterwand getrennt,
klammern sich zwei Äffchen aneinander. Sie zittern vor
Kälte. Von der Dachplane tropft Tauwasser. Es stinkt
infernalisch nach einem Gemisch aus Kot, Urin und schimmeligem
Stroh.
Ab und zu flackert ein winziger Scheinwerfer auf und taucht
die Szenerie in ein gespenstisches Licht: im Hintergrund bunte
Zirkusplakate, davor die beiden jungen Mantelpaviane, deren
Haarkleid jedoch löchrig und zerschlissen wirkt, ja,
zahlreiche blutige und schrundige Stellen aufweist, sie sind
umgeben von einem Stahlkäfig – ohne Tür. Sie
wurden dort offenbar lebendig eingeschweißt.
Hinter
dem anderen „Möbelwagen“ ist nun ein leises
Wiehern zu hören. Hier stehen mehrere Ponys, Lamas und
Ziegen, alle an kurzen Stricken festgezurrt. Ein weiterer
Hund kauert, schlotternd vor Kälte, neben einem Ziegenbock
und einem scheuen Wild-Lama, das sich ängstlich im dunklen
Wageninneren in die Ecke drückt. Er kauert im eigenen
Kot. Seine schwere Eisenkette wird immer wieder von seinem
Nachbarn, dem ebenfalls angeketteten Bock, aufgespießt.
Der dermaßen gewürgte Hund ringt dann nach Luft…
Einige
Meter weiter bietet sich ein ähnliches Bild. Hier campiert
ein weiterer Zirkus. Die Pferde hat man nebeneinander mit
dem Kopf zur Blechwand eines Möbelwagens kürzest
angebunden. Sie erinnern an geparkte Fahrräder. Wie sich
später herausstellen wird, werden sie hier drei Monate
so stehen, nur losgebunden, wenn die Lokalpresse erscheint,
um einen mitleidigen Artikel mit Spendenaufrufen für
die Not leidenden Zirkusleute unters Volk zu bringen. Auf
dem einen der beiden Fotos wird man ein Pony sehen, welches
sich vergnüglich im Schnee wälzt, auf dem anderen
frierende Kinder, welche sich Schutz suchend aneinander drängen.
Gute Menschen werden warme Suppen und Heizöl anliefern,
damit die Öfen noch ein wenig heißer bullern. Sie
werden sich weder um die Pferde, noch um die übrigen
Tiere kümmern, welche man ohnehin nicht sehen kann, man
hat sie praktischerweise gar nicht erst „ausgepackt“
(Original-Zirkusjargon).
Der
zuständige Amtsveterinär, welcher seinen Besuch
rücksichtsvoll angemeldet hat, wird feststellen, dass
die „Paviane“ einen gut strukturierten Wagen mit
Heizung haben. Vermutlich hat er „übersehen“,
dass letztere sonst nie angestellt wird, dass die Rhesus(!)-Affen
- es handelt sich bei den besichtigten Tieren nämlich
um die des Nachbarzirkus(!) – sonst den ganzen Tag im
Dunkeln in ihrem gut strukturierten Wagen sitzen, weil die
Käfigklappe geschlossen bleibt, um Heizkosten zu sparen…
Der zuständige Tierschutzverein wird DM 500,- „für
Futter“ spenden, damit ist die Angelegenheit für
ihn erledigt. Eine mitleidige Seele wird schließlich
wenigstens die beiden Paviankinder „freikaufen“,
nachdem sie wochenlang für hunderte von Mark (Telefonkosten)
europaweit nach einem Platz gefahndet hatte. Sie wird sich
den Zorn einiger so genannter „Tierbefreier“ zuziehen,
weil man Tiere nun mal nicht freikauft. Lieber lässt
man sie dogmatisch korrekt verrecken.
In
der besagten Stadt wurden innerhalb von nur vier Jahren sieben
Zirkusbetriebe mit 15 Affen gezählt, darunter ein Schimpanse,
welcher für einen Fernsehauftritt hier „zwischengeparkt“
wurde, sowie ein junger Rhesusaffe, welchen man praktischerweise
ständig i n seinem kleinen Käfig angekettet hielt
(außer, wenn der Herr Amtsveterinär sich angemeldet
hatte…) um ihn zu seinem „Auftritt“ mühelos
und schnell aus dem Käfig zerren zu können.
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hierzu auch beim Tigerfreund |